Vårvinter - Auszeit in der 5. Jahreszeit

Ende Februar ist bei uns irgendwie die Luft raus. Mich hat eine dicke Erkältung im Griff und ich will einfach nur nach Schweden und Abhängen. Weil wir gemütlich unterwegs sind, kommen wir spät am Abend bei Vollmond am Häuschen an, fallen in einen tiefen Winterschlaf und checken erst am dritten Tag die Gegend, begrüßen Nachbarn und lassen die fünfte schwedische Jahreszeit, den Vårvinter, auf uns wirken.

 

Vårvinter (schwedisch für "Frühlingswinter") bezeichnet die Übergangszeit Ende Februar/ Anfang März in Schweden. Sie ist durch Sonne, Plusgrade am Tag und Minusgrade in der Nacht (Dagsmeja) gekennzeichnet, was oft zu Skare (harter Schneekruste) führt, und wird daher als "fünfte Jahreszeit" bezeichnet. 

Mit im Bulli haben wir einen alten Tisch für das Obergeschoss, den Michel in der heimischen Werkstatt aufgearbeitet hat. Bisher diente ein kleiner kantiger Tisch als Esstisch in der noch nicht vermieteten Oberwohnung. Doch zu den alten restaurierten Stühlen suchten und fanden wir nun ein passenderes Möbelstück mit gedrechselten Beinen.

Während Michel oben Überlegungen für den weiteren Ausbau anstellt, bringe ich meine mitgebrachten Tomatensamen in die Erde. 77 Töpfchen einer Multitopfplatte werden mit Erde gefüllt und in jedes ein Samen der 13 Sorten versenkt. Im warmen Wohnzimmer kann man den Tomaten beim Keimen fast zuschauen. Immer wieder schön zu beobachten.

Wir haben uns fest vorgenommen, einige der bereits begonnenen Projekte abzuschließen. An den im Dezember gebauten Vogel-Nistkästen streiche ich die Dächer mit Holzschutzfarbe und ergänze die Leisten zum Aufhängen. Michel verteilt die 5 neuen Mietwohnungen an den Eichen und Birken rund um den Kattgård. Hereinspaziert!

Der Anstrich der vorbereiteten Garderobe ist seit dem Jahreswechsel auch getrocknet, so dass sie ihren zugedachten Platz im Eingangsflur hinter der Veranda bezieht. Von der alten Hakenleiste trennen wir uns trotzdem nicht. Wir haben immer Gedöns, was dort gut "abhängen" kann. ;-)

Die Tage werden jetzt immer schöner und durch die Sonne auch wärmer. Alles wird grün, mir geht es besser und es treibt uns raus in die Natur. Wir haben wieder viele neue Lieblingsplätze entdecket, die ich euch nach und nach in der Rubrik "Ausflüge" vorstellen werde. Spitzenreiter ist uns bleibt für mich dennoch der Flammafall. ♥♥♥

Michel mag ja gerne auch mal unter Leute. Dazu ködert er mich gerne mit einem leckeren Milchkaffee und Stückchen Kuchen im "Gäddhyllan Landcafé". Für ein Plätzchen in der Orangerie ist es noch etwas kühl, aber wenn man sich endlich für ein Stück aus der riesigen Auswahl entschieden hat, ist man an einem der urigen Tische mit Blick auf den Lagan doch echt gut aufgehoben. Bevor wir die gemütliche Atmosphäre wieder verlassen, decken wir uns noch mit zwei frisch gebackenen Sauerteigbroten für die nächsten Frühstückszeremonien ein.

 

Gräddhyllan Landcafé ist ein Muss bei jedem unserer Schwendenaufenthalte. Vielleicht sollte ich unter der Rubrik Ausflüge auch mal die Cafés, Restaurants und Hofläden aufführen, die wir regelmäßig besuchen - WAS MEINT IHR?

(Schreibt es gerne in die Kommentare unter den Blogbeitrag.)

Es folgt ein Schmuddeltag und der passt ganz gut zu unserem heutigen Vorhaben: Der Brennholzvorrat im kleinen Ferienhäuschen Rehtnyg muss aufgefüllt werden. Eine eher ungeliebte Pflicht. Zudem entdecken wir auf dem Grundstück verteilt Kronkorken und eine (deutsche) Bierflasche. Noch schlimmer trifft es uns hinter dem Haus: Offensichtlich wurde das Fenster nicht richtig verschlossen. Gott sei Dank hat sich einer der Nachbarn, die in unserer Abwesenheit immer mal die Häuser checken, um den Fauxpas gekümmert. So schlampige Gäste haben wir zum Glück normalerweise nicht. (Und diese sind von einem "Välkommen åter" (nochmals herzlich willkommen) ausgeschlossen. Den vielen tollen Gästen lege ich einen neuen Tischläufer auf den großen Esstisch.

♥♥♥ Wir freuen uns schon auf die junge Familie und weitere Gäste ab März! ♥♥♥

In der Kiste mit den Samentütchen sind mir noch ganz viele Wildblumen-Samen in die Hände gefallen. Deswegen wird im Staudenbeet vis-à-vis des Küchenfensters mal wieder für etwas Struktur gesorgt. Ich schneide die viiielen platt liegenden Blätter der Bartiris ab, jäte etwas Unkraut und verteile hier und anderswo im Vorgarten das Sammelsurium der selbstgesammelten Samen. Um den alten Apfelbaum bangen wir bei jedem kleinen Stürmchen. Er ist innen fast komplett hohl, aber jeden Frühling vital am Blühen und produziert im Sommer Millionen von kleinen, ca. 2cm großen, Äpfelchen. Die allerdings absolut ungenießbar sind. "Calvadosäpfel", nannte sie ein alter Freund mal. ;-) 

Auf jeden Regen folgt ein Sonnenschein und in selbigem drehen Nuka und ich die Hajo-Runde. Neben dem Hund entdecken ich immer wieder neue Motive und genieße den An- und Ausblick, während Nuka "Zeitung liest".

Michel werkelt derweil in der vom Bullerjan muckelig warm beheizten Werkstatt am neuen Hängeschrank-Projekt für die Küche im Obergeschoss

Schon ewig wünsche ich mir einen solchen schrägen Oberschrank in der Erdgeschoss-Küche, aber da hängt ja nun einmal ein anderes Unikat.

Für oben wollten wir einen kaufen, sind aber trotz der vielen Loppis-Touren nicht fündig geworden.


Aber schließlich muss es ja mal wieder gehen mit den angefangenen Projekten. Zusammengebaut und mit Hartwachsöl gestrichen wird der Korpus noch. Probehalber wird er auch mal an seinen Zielort gehalten. Aber fertig wird das coole Stück in diesem Urlaub leider nicht mehr... Da müssen wir wohl bald mal... wiederkommen... tja... ;-)

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