Wiesenmahd und Kartoffelacker

Mitte Juli starten wir mit Erik und seinem Kumpel Leon zum Kattgård. Die dreieinhalb Männer holen mich mittags im Büro ab. Da ahnen wir noch nicht, welche Odyssee uns an den Fähren erwartet. In Puttgarden warten wir trotz GoGreenCard drei Stunden aufs Mitnehmen. Fünf Fähren legen ohne uns ab. :-(

Schweden entschädigt uns aber wie immer schnell für alle Strapazen, die Jungs gehen viel angeln, campen auf der kleinen Insel im See und machen auf Selbstversorger! :-)

Auslöser für den spontanen Kurzurlaub waren Urlaubsfotos von Freunden (siehe Blog). Als Rasen kann man die Grünfläche ums Häuschen nun wirklich nicht mehr bezeichnen. Yuma ist im hohen Gras kaum zu finden. Gleich am ersten Morgen startet Michel den Ferrari und beginnt mit der Wiesenmahd. Erstmal eine Schneise vom Haus zur Scheune, dann übernehme ich.

Auch hinter der Scheune wird gemäht und die Wegränder zum Hof. Wo schöne Wildblumen blühen, schlagen wir einfach einen kleinen Bogen und lassen sie stehen. Am zweiten Tag auf tieferer Stufe noch einmal drüber und die Gartenmöbel verteilen, da ist er ja:

Unser Traum von Schweden! Schon sind wir glücklich!

Am Fahnenmast ist die große Rose zu allen Seiten gekippt und verhindert das Rasenmähen. Wir erinnern uns an den selbstgebauten Staketenzaun und beschießen, ihn hier zum Stützen als "Beeteinfassung" aufzustellen. Zur Befestigung schlagen wir alte Wasserrohre in den Boden ein. Für fünf Rohre benötigen wir fünfzehn Versuche...Dem steinreichen Småland sei "Dank". ;-)

In den nächsten Tagen schneide ich immer wieder Verblühtes aus. Im Spätsommer werde ich einen kräftigeren Rückschnitt vornehmen. Vielleicht kann mir jemand sagen, welche Regeln ich dabei beachten sollte?

Die Luft ist nach der Rohr-Einschlagaktion erst mal raus und wir genießen etwas den kattgårdschen Sommergarten. Die Türkenbundlilien werden von Jahr zu Jahr mehr und sind einfach prachtvoll! :-)

Im Staudenbeet hat die Clematis das neue Rankgitter bis zur Unkenntlichkeit erobert. :-)

Im Hintergrund haben sich die Funkien etabliert, vorne sieht die wilde Mischung aus Mohn, Akelei und anderen Sommerblumen etwas chaotisch aus. Schade, dass wir die Blüte verpasst haben, das war sicher ein buntes Sommermeer!

Die Pfingstrose ist in diesem Jahr wieder ein Stück größer empor gewachsen, blüht aber noch immer nicht. Geduld! ;-)

Im Kräuterbeet sind vergessene Topinamburknollen erneut ausgetrieben, man hatte mich gewarnt, dass ich sie nicht wieder loswerde. ;-) Dahinter haben wir im Mai einen Kopfsalat vergessen, der inzwischen hoch aufgeschossen und in Blüte gegangen ist. Von den bereits vertrockneten Blüten schneide ich einige ab und gewinne so Saatgut für das nächste Jahr. Habt ihr gewusst, dass Salat sooo hübsche Blüten hat? Noch dazu in diesem strahlenden Blau!?

Etwas erholt fällt nun der Startschuss für unseren "Gemüsegarten". Aus Deutschland haben wir einen kleinen Sack im Keller vergessene, stark ausgetriebene Kartoffeln mitgebracht. Eigentlich sollten sie auf dem dortigen Kompost landen. Kurzentschlossen nehmen wir sie mit, um sie experimentell in Schweden zu setzen.

Zuerst mäht Michel einen kleinen Teil der bereits wieder zuwuchernden Gemüsegartenfläche. Dann beginnt das mühsame Umgraben. Ich kann euch sagen: Das ist kein Zuckerschlecken. Der Michel schimpft wie ein Rohrspatz über widerspenstige Quecke, Wurzeln und dicke Steine.

Ich ziehe meinen Hut vor deiner Plackerei mein Grizzly! :-*

Die ausgebuddelten Steine befördere ich mit der Sackkarre an die Seite, hier soll über die Jahre eine kleine Treppe und ein weiteres Natursteinmäuerchen zur Gemüsegartenbegrenzung entstehen. Nachdem wir die Fläche abwechselnd mehrmals durchgeharkt haben, kann ich leicht einige Furchen ziehen und die schrumpeligen Kartoffeln pflanzen. Abgedeckt bleiben sie nun sich selbst überlassen und wir sind gespannt, ob sie so spät im Jahr noch Grün austreiben.

Da die Gemüseernte ja noch einige Zeit auf sich warten lassen wird, werfen wir doch einen Blick auf das Obst.

Zuerst checke ich die Apfelwicklerfallen. Das Pheromon scheint einige Insekten angelockt zu haben, aber ob das Apfelwickler sind? Ich kann es nicht erkennen, trotzdem lege ich neue Klebeplatten und Pheromonkapseln in die Fallen. Hoffentlich ist im Spätsommer nicht wieder alles Kernobst verwurmt. :-(

An einigen Bäumen sind die Blätter mit braunen, schorfigen Stellen gespenkelt, die kleinen Früchte sehen aber bisher ganz gesund aus...? Das Birnenbäumchen, welches sooo viele Blüten hatte, hat nur wenige Früchte. An der Reneklode sind es einige mehr als im letzten Jahr. Auch das abgebrochene Pflaumenbäumchen trägt wieder grün und ein paar Pflaumen.

Die kleine Süßkirsche trotzt weiter dem Wind und braucht wohl noch ein paar Jahre bis zum Fruchtansatz. Wer weiß, ob ich die beiden unteren Äste entfernen muss, und ob ich andere stutzen sollte?

Die Äpfel sehen bis jetzt spitze aus und die Bäume stehen gut da. Einzig der zuletzt entdeckte Apfelbaum zwischen den Buchen macht mir Sorge. Um ans Licht zu gelangen, ist er extrem hoch aufgeschossen. Nun ziehen die schwerer werdenden Früchte ihn nieder.

Kann man alle hohen Äste einfach am jetzigen Knick kappen? Oder MUSS ein Mitteltrieb ungekürzt bleiben?

Der Baum steht ja zur Zeit voll im Saft, daher bleibt ihm ein Schnitt bis zum Spätsommer erspart...

Anders sieht es mit den beiden Jasminbüschen aus. Sie sind bereits verblüht und drohen durch lang überhängende Triebe auseinander zu fallen. Außerdem konkurrieren sie an der Birke mit der Clematis und an der Veranda mit dem Kräuterbeet.

Wir greifen zur Schere...

Die Tage vergehen wie im Fluge. Vor der Abfahrt werfe ich noch einen Blick auf die "Wackelkandidaten":

Der 20cm hohe Bluthasel scheint mit seinem neuen Standort einverstanden zu sein. Erstmals hat er mehr als zwei Blätter. ;-)

Der zweite Versuch einen Schmetterlingsflieder anzusiedeln scheint zu laufen. Der erste Winter ist überstanden, hoffen wir auf einen nicht zu trockenen Sommer.

Die aus einem Steckling selbstgezogene Forsythie hat mehrere neue Triebe, das sieht gut aus.

Und das Beste: Die im Winter gekappte Weide ist tatsächlich neu ausgetrieben! Vielleicht gelingt uns mit ihr die Erziehung zur Kopfweide, dann sieht der noch unrenovierte Scheunengiebel nicht so kahl aus. ;-)