Wir bauen eine Zisterne

In Schweden angekommen erwartet uns die große Dürre. Rund um den Kattgård ist alles braun und verdorrt. Wasser aus Seen und Flüssen zu entnehmen, um den Garten zu wässern, ist streng verboten. Alle Wasserreserven werden zum Löschen der vielen Waldbrände in Schweden benötigt. Da aber unsere alte Güllegrube defekt und dadurch ständig voller Regenwasser ist, haben wir einen Wasservorrat, den wir nun nutzen, um die verdurstenden Pflanzen zu retten.

Aus dem muffigen Wasser retten wir gleichzeitig einige Blindschleichen und Ringelnattern. Während der Pegel in den nächsten Tagen stetig sinkt, kommt uns die Idee, die Grube vollständig zu leeren und zu einer Regenwasserzisterne auszubauen.

Der Anfang ist schnell gemacht, als ich wagemutig an einer reingewucherten Wurzel zerre: Die innere Holzdecke stürzt ein. ;-)

Die meisten Pflanzen erholen sich nachdem sie nun endlich regelmäßg Wasser bekommen. Einen stark vertrockneten Rhododendron schneide ich kräftig zurück und schon nach wenigen Tagen zeigt er neue Austriebe aus dem alten Holz.

Nicht ganz so erleichtert bin ich, als ich einen weiteren Nachteil dieses trocknenen Sommers entdecke: Der Apfelwickler hat sich pudelwohl gefühlt: An eine Safternte ist nicht zu denken. Unzählige Karren an befallenem Obst schaffe ich in den Wald. So haben wenigstens Hase, Igel, Reh und Elch noch etwas von der Bescheerung. Als erste Maßnahme versehe ich alle Obstbäume mit Leimringen, aber da geht sicher noch mehr!

Einige saftige Renekloden futtern wir direkt vom Baum und auch mein Birnenbäumchen trägt zum ersten Mal Früchte. :-)

Die Beerenhecke sieht gut aus, die Clematis vorm Haus bekommt ein Rankgitter. Die Kletterhortensie wird gestutzt und die Abschnitte stecken wir versuchsweise als Ableger vor den Rosenbogen: Daumendrücken ist ausdrücklich erlaubt. ;-)

Von der Winterheckenzwiebel habe ich hunderte von Samen genommen. Wer daran Interesse hat, schreibe mir gerne eine Mail... Die Zwiebeln sind nur dort maßgeblich gewachsen, an denen Regen ins Kräuterbeet gelangt ist, der Rest fällt schmaler aus, schmeckt aber gut. :-)

Irgendwie fehlt uns der Start unser eigentliches Vorhaben: das Haus zu streichen, in Angriff zu nehmen. Das Projekt: alte Gartenbank restaurieren, juckt uns in den Fingern. Und so schwenken wir um, schließlich haben wir Urlaub und dürfen machen, wozu wir Lust haben. *lach

Das gute Stück ist wirklich am Ende und schneller auseinander gebaut, als ich Fotos machen kann. Michel holt Douglasie vom Vorratsboden und nachdem wir die Bohlen über den Hobel geschoben haben, sehen sie toll aus. Die alten Bankelemente nutzen wir als Schablone. Nun folgt die aufwändige Arbeit des Aussägens. Manche Stücke sind etwas kniffelig (Rückenlehne), schließlich gelingt es Michel aber, alle Kurven nachzuahmen. Das Wachsen/Ölen ist dann wieder mein Job. Dank des tollen Wetters sind die einzelnen Teile trotz zweifachem Anstrich am nächsten Tag trocken und wir bauen die Bank zusammen.

Wir sind ganz begeistert von der neuen Bequemlichkeit. ;-) Deswegen ruckeln wir das Schwergewicht von nun an von einem Entspannungsort zum anderen. Der Karre sei Dank! :-)

Kurz darauf bekommen wir Besuch von meiner Freundin Tanja. Gemeinsam wollen wir die Vorarbeit zur Zisternen-Speisung in Angriff nehmen. Das Scheunendach soll eine Dachrinne bekommen. Auch diese ist schon lange in Planung, so dass wir alles nötige Material vor Ort haben. Die Rinnenhaken müssen allerdings für die etwas spezielle Montage an unserem Scheunendachvorsprung erst bearbeitet werden: Das Eisen wird um 90 Grad krumm geprügelt (Judith) und bekommt danach einen hölzernen Unterbau (Tanja) mit dem Michel es dann ans Dach schraubt. Per Maurerschnur wird das Gefälle nivilliert. Am südlichen Ende montiert Michel das Fallrohr. Auf der anderen Seite wird die Rinne provisorisch verschlossen, hier sollen noch zehn Meter Dachrinne ergänzt werden.

Wir machen einen langen Spaziergang am Seeufer, die Dürre hat uns einen eigenen Strand bescheert. Das hat auch nicht jeder!!! :-)

In den nächsten Tagen soll es noch einmal sehr hochsommerlich werden und so nehmen wir gemeinsam den zweiten und dritten Anstrich unserer Veranda in Angriff.

An dieser Stelle noch einmal ein dickes Dankeschön für deine Unterstützung - Tanja!

Trotz der vielen Ecken und Kanten geht es schnell voran und wir testen endlich einmal den neuen kleinen "Tisch"-Grill.

Mmmhhh..leeecker!!!

Nach einer Woche muss Tanja leider wieder abreisen. Für uns geht es an den Abriss der Zisterne. Blöderweise können wir die dicken Brocker nicht daran hindern, in das halb vergammelte Gülle-Mist-Gemisch zu fallen und sind daher gezwungen, den ganzen Scheiß (sorry) per Schaufel und Eimer herauszuholen. Seid froh, dass es keine Geruchsübertragung via Internet gibt...

In den Betondeckel haben die Hoferbauer alles an Metall zur Bewehrung eingegossen, was sie finden konnten und die Teile zusätzlich mit dickem Draht verbunden. Der Abriss ist eine elende Plackerei und dauert Tage.

Im Glibber kommen die unmöglichsten Sachen ans Licht: zum Beispiel Kufen einen Schneemobils - Wo das wohl abgeblieben ist. ;-) Die nächste Geruchsexplosion gibt es dann beim Verbrennen der zuvor in die Scheiße gefallenen Holzdecke...

Iiihhh - gar nicht lecker!

Um uns mal wieder mit etwas anderem zu beschäftigen kochen wir ein wenig Hagebuttenmarmelade. Leider hat auch hier in einige Früchte der Apfelwickler Einzug gehalten...jaa, ich weiß, Hagebutten gehören zur Gattung der Äpfel...Einfach blöde Falter, diese Apfelwickler! :-(

Die Hagebutten werden halbiert und von Kernen und Härchen befreit. Danach soll man sie kochen und anschließend durch ein feines Sieb quetschen. Das gelingt uns aber nicht. ;-) Deswegen stecken wir sie mit etwas frisch gepresstem Orangensaft in den Mixer und verkochen die so entstandene Masse mit Gelierzucker zu Marmelade. Sieht nicht nur toll aus, schmeckt auch einfach GEIL!

Jetzt sind wir gestärkt und greifen zu den Schaufeln. Es gilt einen Graben auszuheben vom Fallrohr am Ende der Dachrinne bis zur Aussenkante der Güllegrube. Was soll ich sagen? Ihr wisst es ja schon: Schweden ist steinreich! Unter dem Fallrohr wird ein größeres Loch ausgehoben, hier werden wir einen Brunnenring versenken...

Den Brunnenring dürfen wir uns aus dem hinteren Garten unseres Nachbarn und Freundes Hajo holen. Vielen Dank dafür!!!

Das KG-Rohr für den Regenwasserlauf müssen wir einkaufen. Leider lässt es sich furchtbar schwer zusammenschieben, gelingt aber schlussendlich doch. Der Brunnenring wird über das hochstehende Ende der Leitung gestülpt. Dann schließe ich erst einmal den Graben, damit niemand bei dem ganzen Hin-und-her versehentlich hineintritt.

In die Güllegrubenwand bohrt und meißelt Michel derweil im Schweiße seines Angesichts ein Loch für den Wassereinlauf.

Nun geht es mit Hilfe einiger KG-Formteile an den Bau des "Filters", den Michel sich ausgeklügelt hat. Das Regenwasser soll durch das Fallrohr bis an den zubetonierten Grund des Brunnenringes fließen, sich dort stauen und dann via Überlauf durch den durchlöcherten Deckel in das unterirdische Rohr ablaufen.

Die Testbefüllung zeigt: Das kann klappen!

Die gegenüberliegende Wand der Güllegrube erhält ein weiteres kleineres Loch, damit bei vollständiger Füllung das Wasser herauslaufen kann und nicht die spätere Konstruktion beschädigt.

À propos Konstruktion: Dazu braucht man Holz!

Wir können es diesmal bei Björn kaufen, der als selbstständiger Haldwerker in unserer Kommune unterwegs ist. Er hat bei uns im Dorf eine Scheune, in der er fertiges Bauholz lagert. Wir dürfen uns mit Hilfe von Nachbarn und Freund Kim bedienen. Björn kommt später vorbei und wir können bequem nach unserer Auflistung bezahlen. Super! Auch dafür: Danke- Kim und Björn!

Transportiert wird das Holz diesmal mit dem Holder, das macht mir wie immer besonderen Spaß, auch wenn ich als Buch- ähm: Holzstütze fungieren muss. ;-) Praktisch ist, dass wir die Ladefläche des Holders direkt als Werkbank zum Zersägen der Balken und Leisten nutzen können! :-)

Mal muss man auch wieder was anderes machen. Michel geht deswegen zur Jagd...auf Pilze! ;-) Und er wird fündig. Da gilt es wieder zu schnippeln, um einen frischen Vorrat an getrockneten Pilzen einzulagern.

Während Michel unterwegs ist, höre ich einen LKW auf den Kattgård zurattern. Ahh jaa, da wird Schotter (zu schwedisch: Grus - gesprochen Grüß) angeliefert. Den wollen wir als Filtermaterial in den Brunnenring füllen und haben weitere Pläne, die selbstverständlich noch nicht verraten werden. Damit der "Grüß" nicht nach und nach im Rasen verschwindet, breite ich schnell ein paar kleine Planen aus. Nun kann abgeladen werden. So sieht sie aus, eine halbe LKW-Ladung "Grüß".

Obwohl wir dazu beide wirklich GAR KEINE Lust haben, renovieren wir noch drei Fenster. Das lange schmale gehört zur Werkstatt und hat es bitter nötig. Die weniger lädierten gehören zum Schlafzimmer und Wohnzimmer. Beide wurden bereits vor wenigen Jahren von uns renoviert, zeigen aber schon wieder erste kleine Risse in Lack und Kitt. Wir wollen gar nicht erst warten, bis diese wieder so aussehen, wie zuvor, also gehts ab unters Messer: Kitt raus, abschleifen, neuen Kitt rein, dreimal streichen. :-(

Falls irgendjemand weiß, wie man diese Fenster mit einem Mal zu einem abschließend guten Ergebnis bringen kann, bitten wir um Info! ;-)

Am Wochenende besuchen wir unsere erste schwedische Auktion. Björn hat uns den Tipp gegeben und wir wiederum haben Nachbarin und Freundin Hanne informiert. Gemeinam mit ihr machen wir uns am Morgen auf den Weg. Kaum erreichen wir den Ort des Geschehens, treffen wir auch Björn und lernen seine Frau Sanne und eines seiner Kinder kennen. Das Wetter ist durchwachsen, aber wir sind so neugierig, dass wir den Regen kaum bemerken. Objekte meiner Begierde gibt es einige, aber besonders ein schwedischer "Eisschlitten" ein sogenannter Spark hat es mir angetan. Da ich so eine Schissbux bin, bitte ich Björn für mich zu bieten. Er ist ein harter Verhandlungspartner für den Auktionator, wird aber leider von einem Holländer überboten. Schade! :-(

Der Auktionator wird übrigens auf einem Karren hin und her gefahren. Mal steht er vor der Scheune und verschleudert Landmaschinen, dann wieder wird er ins Innere gefahren und bringt Kleinkram für oft weniger als fünf Euro an den Mann.

Einen Basteltipp kann ich euch auch noch vorstellen. Schädlinge bekämpft man am Besten durch Anlocken von Nützlingen! Aus alten Tomatendosen, Heu und etwas Draht bastele ich diese Ohrenkneifernester...

Die Dachkonstruktion über der Zisterne bildet den krönenden Abschluss unseres diesmaligen Schaffens. Während Michel der großer Baumeister ist, bediene ich die Säge und schwinge, wann immer etwas "fertig" ist, den Pinsel. Das Dach decken wir mit Wellblech ein, was wir uns aber leichter vorstellen, als es in Wirklichkeit ist. Tropfrinnen die beachtet werden und ungerade Mauerkanten am First des Daches, an die angepasst werden muss.

Die Zisterne soll von vorne zu öffnen sein. Michel überlegt sich, dass das Dach nicht eine einfache Luke, sondern eine Gaube bekommen soll, durch die man dann mit dem Eimer das Wasser entnehmen kann. Die Gaube bekommt ein eigenes Dach und eine selbstgebaute Tür. Während Michel die Blechanschlüsse anpusselt, grundiere und streiche ich die Tür. Die Zarge streichen wir weiß und als Clou bekommt die Tür einen ausgedienten Wasserhahn als Türgriff.

Wir finden die Umfunktionierung der Güllegrube zur Zisterne ist ein voller Erfolg. - Der zu bewässernde Gemüsegarten kann kommen. ;-)