Wimpel im Wind

In diesem Urlaub kündigt sich viel Besuch an und bevor alle eintrudeln, wollen wir noch einiges im neuen Schlafzimmer schaffen. Jens, der mit Tina und uns gemeinsam nach Schweden startet, packt fleißig mit an. So sind die Gipskartonplatten schnell gespachtelt, geschliffen, gespachtelt, geschliffen...Zeitgleich streiche ich die Zierleisten, Michel bringt die Deckenleisten an und streicht auch diese nochmals über. Auch der "neue" Schrank findet seinen Platz, doch restauriert wird er dieses Mal noch nicht.

Die kleine Dackeldame von Tina und Jens bringt uns immer mächtig zum Schmunzeln. Bald schon reist Besuch aus der Schweiz (auf den Rückweg aus dem Norwegenurlaub) an: Ruth und Werner tragen schneller Arbeitsklamotten, als Jens uns mit seinem fantastischen Butterkuchen verwöhnen kann. Gemeinsam testen wir auch das neue Restaurant in "der großen Stadt". Später im Urlaub reisen noch Marion und Andreas an und erleben nach vielen Urlauben im touristischen Grömitz mal die schwedische Einsamkeit. Wir denken es hat ihnen gefallen. Viel Spaß haben wir jedenfalls mit all unseren Gästen.

 

Auch tierischer Besuch ist wieder anwesend. In der Scheune taucht unter einem Balken, den wir benötigen, plötzlich ein Wespennest auf. Die Damen sind ziemlich erbost über die Zerstörung ihres Nestes...Sorry, war keine Absicht!

Im Obergeschoss bekommen wir eine eher seltene Holzwespe zu sehen, mit ca. 6 cm ist sie ein imposantes Insekt.

Und im Garten gibt es viele Libellen und Schmetterlinge zu sehen.

Voller Elan stürzen wir uns in die Arbeit im Obergeschoss. Die Außenwände und auch die Decke sollen isoliert und mit Dampfbremse geschlossen werden. Wir starten im Treppenaufgang und stoßen sogleich auf ein erstes Problemchen: Die schrägen Wandbalken sind gerundet. Mein Vorschlag sie einfach gerade zu verkleiden ist nicht möglich, da dann zu wenig Kopffreiheit auf der Treppe übrig bleibt. Also wird gebastelt...

Jens und Michel bringen den neuen tragenden Balken für die Wohnzimmerdecke an. Hier muss jeder querende Balken angezeichnet und ausgespart werden. Schließlich sitzt das Monsterding aber an Ort und Stelle.

Die Lattung zur Hinterlüftung der Isolierung ist fix angenagelt, eine Arbeit, die mir Spaß macht, da kommt es nicht so auf den Millimeter an. Das nun folgende Isolieren mit Glaswolle ist ÄTZEND (Entschuldigung-*zwinker). Manche Ecken sind auch etwas kniffelig, denn die Konterlattung für die späteren Paneele muss schon jetzt 100%ig stimmen. Sobald die Dampfbremse angetackert ist, hört die scheußliche Glaswolle auf uns in Augen, Ohren, Mund und Nase zu jucken. Nun hat man auch schon ein recht gutes Raumgefühl. Weiter geht es mit der ersten Wohnzimmer- und der Badezimmer-Außenwand.

Auf vielen Spaziergängen, meistens mit den Hunden Richtung See, entdecken wir Pfifferlinge. Sie schmecken einfach unglaublich gut im morgendlichen Rührei und am Abend zum Wildbraten, den der Jens gesponsert hat. Kleine Mengen werden geputzt, getrocknet und wandern in die Vorratsdose.

Auch im Garten wächst und gedeiht alles prächtig. Im Kräuterbeet hat sich der Waldmeister neben den noch schmalen Winterheckenzwiebeln ziemlich ausgebreitet. Der Walnussbaum und die Holunderbüsche wachsen wohlbehütet im Knast vor sich hin. Josta- und weisse Johannisbeere tragen ihre ersten Früchte. Die Pflaume, die uns bisher höchstens drei Früchte pro Saison bescheerte, hängt so voller Obst, dass fast alle Äste abzubrechen drohen und der danebenstehende "Apfelbaum" entpuppt sich als Reneklode. :-)

Der Schmetterlingsflieder ist toll neu ausgetrieben und strahlt in kräftigem Lila. Weil er mir so gut gefällt, pflanze ich gegenüber der Veranda noch einen zweiten. Einen Ableger aus dem heimischen Garten. Die Minzpflanzen ziehen vom Kräuter- und Staudenbeet ins Girschbeet um. Hier dürfen sie wuchern, so viel sie wollen. Einige Stängel versuche ich zu trocknen um die Blätter später für Tee zu verwenden. Neben den Heckenrosen ist Goldfelberich aufgelaufen und bringt etwas Farbe in die noch unbegärtnerte Ecke. Einige der tot geglaubten Buchsbäumchen treiben tatsächlich wieder aus. Vielleicht wird mein Abwarten belohnt? Auf den Kompost wandern die vorgezogenen Kürbisse...Mal sehen, ob sie im Herbst Früchte tragen.

Oben arbeiten wir oft zu viert: Michel und ich an den Wänden und Decken, Jens und Tina an der Elektrik. Nach der Verdrahtung am Verteiler können wir endlich die Baustrahler wegräumen und der Besuch kann auf dem Weg ins Schlafzimmer gaaaanz normaaaal, die Lichtschalter betätigen. Es werde Licht!

DANKE Jens und Tina! :-*

Ruth fragt mich, wie sie behilflich sein könnte und backt uns am Abend einen der leckersten Hefezöpfe, die ich je gegessen habe. Mmhhh. Außerdem beschneidet sie die große Kletterrose am Haus und den Rosenbusch gegenüber der Veranda. Damit bin ich regelmäßig überfordert, ich traue mich einfach nie, soviel Luft hinein zu bringen. Wenn sich jemand anderes erbarmt, bin ich jedes Jahr aufs Neue überrascht, wie gut es den Rosen getan hat, so ausgedünnt zu werden.

Ruth: 1000 DANK dafür! :-*

Nachdem das Projekt Staketenzaun ja auf Eis gelegt ist, benötigt unser Girschbeet noch immer eine Umrandung, die es einfacher zu ummähen macht. Im Internet hatte ich Mauern aus Dachziegeln entdeckt. In der Scheune lagern noch eine ganze Menge alter Dachziegel und so betätigt sich Michel im Garten und buddelt die von mir herbeigebrachten Ziegel ein. Die Zwischenräume werden mit dem Aushub und Kompost aufgefüllt und dürfen gerne wieder begrünen. Hauptsache wir wissen zuküftig, bis wohin gemäht wird und wo nicht. ;-)

Für uns geht es im Obergeschoss weiter mit der zweiten Wohnzimmer-Außenwand. Hier soll die Schräge bis in den hintersten Winkel erhalten bleiben, was sicher später ein schönes Flair ergeben wird. Im Moment ist es etwas Gefrickel, die Abseiten ordentlich zu verschließen und die Stützen so abzudichten, dass sie später sichtbar aus der Vertäfelung schauen. Lattung, Glaswolle, Dampfbremse... An der Esszimmerdecke wird zusätzlich zu den Deckenbalken ein sichtbar bleibender dicker Balken eingezogen. Diesmal übernehmen Michel und ich den Job und es gelingt ganz gut. Danach geht es an die letzte Ecke, in dem später der Alkoven eingebaut werden soll. Auch hier stoßen wieder zwei Dachschrägen und total durchgebogene Deckenbalken zusammen und es dauert etwas, bis wir alles ins Lot gebracht haben. Lattung, Glaswolle *huuust, Dampfbremse...

Schließlich tackern wir auch an die Deckenbalken Dampfbremse an. Ich schneide die noch aufgewickelte Glaswollen auf die richtige Breite und reiche sie Michel nach oben, der sie dann dort zwischen den Deckenbalken ausrollt.

Es ist vollbracht: Die Dampfbremse ist aufgebraucht und muss in Deutschland nachgekauft werden, daher ist hier fürs erste alles getan.

Wer jetzt glaubt, dass der Werner tatenlos ist, der hat sich geirrt. Fernab der restlichen Kattgård-Urlaub-Arbeiter verbringt er TAAGEE in der Scheune und bearbeitet unsere "flaggstång". Zuerst wird die Rinde entfernt, dann gehobelt, dann geschliffen und so aus einem einfachen Baumstamm einen wunderschöner Mast gezimmert.

DANKE dir, Werner! :-*

Aus Beschlägen für Scheunentore prügeln und verschweißen Michel und Jens Ringe, die sie über den Mast stülpen. Während ich schon einmal beginne, das Loch zu buddeln, schweißen sie aus alten Stahlträgern und Balkenschuhen einen Halter. Anschließend beenden sie meine steinige Arbeit. Ich streiche, schleife, streiche, schleife, kitte, schleife derweil den Mast und Michel übernimmt den letzten Anstrich. Dann betonieren wir den Halter ein und es dauert gefühlte Wochen bis der Beton ausgehärtet ist. Der Halter wird noch lackiert, eine Kugel an das obere Mastende montiert, sowie eine Umlenkrolle samt Seil und ein Haken zum Befestigen. Der Fuß des Mastes wird im unteren Ring verkeilt. Endlich ist es soweit. Unser Fahnenmast kann aufgestellt werden. Nach einigen Fehlversuchen erreichen wir mit der Taktik: "Michel stemmt hoch, Judith schiebt die Leiter drunter und vorwärts" das gewünschte Ziel. Michel befestigt den Wimpel und endlich wird "geflaggt".

(Eigentlich nur gewimpelt, aber eine Flagge bekommen wir auch noch, versprochen!*zwinker)

Du gamla, Du fria, Du fjällhöga nord
Du tysta, Du glädjerika sköna!
Jag hälsar Dig, vänaste land uppå jord,
Din sol, Din himmel, Dina ängder gröna.