Staubiger Schnee

Heilig Abend liegt hinter uns, ein Weihnachtsmann-Kostüm benötigen wir schon lange nicht mehr, doch ein Schlitten mit Rentieren wäre gut, denn auf dem Weg zum Kattgård droht uns unser Bulli im Stich zu lassen. Er klappert und rattert und wir befürchten schon mit allem Gepäcke einschließlich vieler Baumaterialien auf der Strecke zu bleiben. So ist die erste Amtshandlung am Morgen ein Telefonat mit dem ADAC. Man schickt uns einen Abschlepper, doch nach einer kleinen Probefahrt stellt man überrascht fest, dass sich Bullies Wehwehchen über Nacht verflüchtigt haben. Seeehr merkwürdig, aber nicht die schlechteste Lösung. *zwinker. Diesen Schrecken müssen wir erst einmal verdauen und so wird etwas entspannt, einige Weihnachtslichter im Haus verteilt und am Abend sogar die schöne Gardine von Anneke aufgehängt. Ist es nicht gleich wieder ein Stück gemütlicher!?

Mit frischem Schwung geht es nun wie geplant an den Ausbau des Obergeschosses. Ein wenig Material lagert hier schon eine Weile und auch sonst hat sich einiger Krimskrams angesammelt. Nachdem die Dielen freigelegt sind, beginnt Michel mit dem Aufnehmen. Die Dielen sind genagelt und obwohl bisher nicht im Verbund verlegt, trennen sie sich nur sehr schwer voneinander. Mir bleibt die kraftsparendere Arbeit, die Nägel herauszuziehen und die Feder vom Schmutz zu befreien, denn die Bretter sollen wieder benutzt werden. Als Isolierung diente bisher eine Art Sägespäne, die in unserem Fall leider mit seeehr viel Müll (dazu unten mehr), Mäuse- und Rattenköttel vermischt ist. Aus dem Trichter unseres Gartenhäckslers, einem Regenrohr, Teppichrolle und einer Riesenplastiktüte basteln wir uns ein "Schuttrutsche". Für eine Originale sind wir zu geizig und Not macht ja bekanntlich erfinderisch. Auf diese Weise wandern die "Kutterspån" Kehrblech für Kehrblech nach unten. Eine furchtbar staubige Angelegenheit. Natürlich tragen wir Schutzmasken, aber der feine Dreck quetscht sich durch jede Ritze, selbst durch das geschlossene Küchenfenster hinter unserer Abfallröhre. :-(

Die zuvor gesiebten Späne werden im hinteren Gartenbereich verteilt und dürfen da verrotten. :-P

Unter der Isolierung kommt eine sehr dünne Teerpappe zum Vorschein durch die viele Nagelspitzen schauen. Die Nägel fixieren wohl die Konterlattung für die Deckenpaneele im Erdgeschoss. Zerrissene Stellen des schwarzen Rieselschutzes bessern wir aus, dann kann endlich ein Teil Glaswolle eingebracht werden. Das schafft Platz!

Einer der tragenden Balken erscheint uns sehr nachgiebig, deswegen doppeln wir ihn vorsichtshalber auf. Nun kann die endgültige Abmessung des ersten Zimmers festgelegt werden. Das macht richtig Spaß! Die Balken werden mit Filzband beklebt und zwischen zwei Balken kommt eine lose liegende Leiste auf der die Dielenbretter im Verbund verschraubt werden. Von diesem "schwimmend" verlegten Boden erhoffen wir uns größtmöglichen Lärmschutz. ;-) In unserer Fantasie sind die nicht vorhandenen Wände schon mit Tapete beklebt und das Bett frisch bezogen, denn der erste fertige Fußboden ist der des zukünftigen Gästeschlafzimmers. Yumi schläft schon mal eine Runde..zur Probe..wegen dem Feng-Shui und so.. :-)

Zu dieser Zeit hat der Winter den Kattgård voll im Griff. Am späten Nachmittag legen wir das Werkzeug nieder und machen uns zum Abendessen durch Eis und Schnee auf den Weg zur "kleinen Welt" von Kim und Hanne. Schön, die beiden Wiederzusehen: Hausbau, bzw. Renovierung und Garten sind auch bei den Beiden groß geschriebene Themen. So geht uns der Gesprächsstoff niemals aus! :-)

Als nächstes tüfteln wir an der Größe des zukünftigen Badezimmers. Die Wasserwege zum Versorgungsschacht am Schornstein sollen möglichst kurz bleiben und dürfen nicht die tragenden Balken kreuzen. Der Raum soll so klein wie möglich werden, aber trotzdem an der Außenwand liegen und damit ein Fenster haben. Da Boden und Dusche später mit PVC ausgelegt werden, besorgen wir für die erste Schicht des Fußbodens Rauspund. So haben wir auch gleich den Verschnitt und die Auslese der Dielenbretter wieder eingespart. Der Rauspund ist also neu, gerade und daher flott verlegt. ;-)

Michel hat die Idee, im Bereich um die Treppe noch einen Windfang zu bauen, so steht man später nicht direkt im Wohnzimmer. Auch heizmäßig ist dies sicher eine gute Sache und zudem kann man den Windfang noch als Flur/Garderobe nutzen. Perfekt! Hier gilt es wieder gut zu überlegen, wo genau die Wand platziert wird und wie weit dieser Vorraum in den Wohn- und Kochbereich hineinragen soll. Schlussendlich bestimmt die Position der Badezimmertür dann die Größe des kleinen Windfanges, in dem schnell isoliert ist und auch an einem Abend die Dielen verschraubt sind.

 

Wieder schaufeln wir fleißig "Kutterspån" durch den Trichter und müssen entdecken, dass die Mäuse sich fleißig Gänge von einem Balkenfach zum nächsten geknabbert haben. Unglaublich! Diese und zwei weitere Balken werden aus Statikgründen mit neuen 6 m langen, 6x16 cm starken Balken aufgedoppelt. Gut, dass wir zu diesem Zweck schon einiges Bauholz in der Scheune gebunkert haben. Mit viel Muskelkraft wandert der neue Balken an seinen Platz. Danach zieht Michel quer durch die Balken Leerrohre und durch diese neue Kabel für die Elektrik im Erdgeschoss. Die Kabel enden vorerst in der Decke und werden erst benötigt, wenn wir im Erdgeschoss einmal renovieren. Dann sollen die alten Leitungen gekappt und die neuen genutzt werden.

Zwischen den Kutterspån finden sich so einige, teils skurrile Sachen. Werbeprospekte einiger Warenhäuser, Rubbelbilder, zerbrochenes Geschirr. Wir finden ein Schild, welches Trostpreise für Kinder verspricht und ein Spiel mit drei Pfeilen für 5 Kronen anbietet. Dieses stammt wie die Münzröhrchen der Handelsbank wahrscheinlich aus den 80er Jahren, als unser Kattgård im Besitz einer Schaustellerfamilie war. (Leider haben wir hierzu bisher nicht viel mehr in Erfahrung bringen können.) Abwehrmittel gegen Mäuse und Ratten waren mit Sicherheit ein schlaues Utensil, wie die oben gezeigten "Knabberspuren" bezeugen. Was hingegen die Küchen- und Werkzeuge in der Isolierung zu suchen haben, hätte sich mir auch im 18. Jahrhundert nicht erschlossen. *grins 

Wir gönnen uns einen Tag Pause, fahren in die kleine Stadt zum Einkaufen, knipsen auch mal einige Fotos rund ums Haus. Trinken einen Kaffee mit dem ortsansässigen "Förstergehilfen", der viele Bäume auf dem angrenzenden Grundstück fällt und uns so einen tollen Blick von der "Denkerbank" über unseren Garten in spe in die freie Natur beschert. Wir schauen zu, wie die Bäume in aller Herrgottsfrühe verladen werden.

An einem Tag sind wir bei den Nachbarn zum Essen eingeladen, sitzen bis spät in den Abend um das Fondue und plaudern über Urlaube in aller Herren Länder und über schwedische Häuser.. Alles auf Englisch, schließlich sind wir in Schweden. ;-)

Halbwegs erholt geht's an die letzte und größte Fläche des Fußbodens. Die Isolierung wird zurechtgeschnitte und in die Balkenfächer verteilt, das geht flott. Die Dielen allerdings müssen fast alle mit Hilfe von Spanngurten aneinander gezogen werden, um sie lückenlos auf den Leisten zu verschrauben. Bis zum Schornstein geht es zügig voran. Dort müssen dann aber einige neue, stützende Balkenstücke eingepasst und vorhandene Balken auf die passende Höhe gehobelt werden. Eine zeitraubende Arbeit, die besonders meine Geduld auf eine harte Probe stellt. Die demontierten Dielen werden von A nach B umgestapelt, damit es am Schornstein vorbei weitergehen kann. Ein Meilenstein ist in meinen Augen die erste Reihe Dielen, die sich über die komplette Hauslänge zieht. :-)

Dort, wo der Michel hockt, soll ein Alkoven mit selbstgebautem Etagenbett entstehen. Den letzten Meter des Fußbodens schaffen wir nicht mehr zu schließen, denn einige Stunden verbringen wir noch mit Fegen, Aufräumen und Verpacken der Werkzeuge. Wir messen den neu entstandenen Grundriss auf, damit ich in Deutschland eine Zeichnung anfertigen kann, die uns als Grundlage für weitere Baumaßnahmen und die Installation der wasserführenden Komponenten dienen wird.

Ein letzter Blick geht zu den Dachbalken. Die vier Mittleren hängen nach so vielen Jahren Dachlast (und einigen alten Wasserschäden) rund 15 cm durch. Dies macht den Aufbau der neuen Decke schwierig, besonders dort, wo sie vor die Fenster läuft. Von unserer ersten Überlegung, die Dachbalken hochzudrücken, wurde uns dringend abgeraten, aber ein Abstützen, um weiteres Absenken zu vermeiden, werden wir in jedem Fall vornehmen müssen.

ES BLEIBT ALSO SPANNEND! :-)