Schon bevor wir im Juni nach Schweden reisen, machen wir uns Gedanken, wie wir den seltenen "Freitod" unserer gefiederten Freunde an den Verandascheiben zukünftig verhindern können. Die beiden Vogelattrappen reichen wohl als Schutz nicht aus. Deshalb entscheiden wir uns, die Scheiben mit einer Fensterfolie zu bekleben. Aber welches Motiv? Erste Skizzen zeigen, vertikale Streifen wirken wie im Knast, horizontal geht es einigermaßen. Ich bitte unseren schwedischen Freund Mats, die Scheibenfläche auszumessen, um die Folie möglichst passgenau zu bestellen. Unterdessen finde ich eine Seite mit schönen Blatt- und Grasmotiven und probiere per Paint ein wenig herum. Mit den Maßen für die Scheibe schickt Mats mir ein Video, in dem jemand mit weißem Edding seine Scheiben bemalt. DAS WIR DARAUF NICHT SELBST GEKOMMEN SIND! Wir haben ja zur Weihnachtszeit schon häufiger mal unsere deutsche Fensterfront mit Kreidefarbe bemalt und nutzen diese Möglichkeit nun auch auf der kattgårdschen Veranda. Regenschutz ist ja hier gegeben und wenn es doch irgendwann verwischt, kann man es leicht reinigen und erneuern. Für Michel ist sowas ruckzuck erledigt und ich bin ganz verliebt in die schöne Blumenwiese. Den Vögeln sagt es hoffentlich nicht zu. ;-) Aber sagt mal: Wie gefällt es euch?
Die echten Gräser hingegen müssen schnellstmöglich weichen, schon alleine um die Knott- und sonstige Mückenviehmenge zu reduzieren. Natürlich mähe ich nach einigen Stunden unweigerlich wieder über einen neuen oder heruntergerutschten Stein. Zack: Die Messer sind verstellt und vermackt, der Zahnriemen gerissen. Glücklicherweise gibt es einen Ersatzzahnriemen im Fundus und den Michel, der den Ferrari wenn auch maulend wieder "auf die Straße" bringt.
Unterdessen knipse ich die verblühten Rhododendronblüten aus den Büschen, sie entwickeln dann nämlich viel mehr neue Blattriebe um die Bruchstelle, werden so über die Jahre buschiger und blühen im nächsten Jahr auch voller.
Zeit zur Erholung nehmen wir uns immer auch. In Tylösand am Strand, Michel mit dem Boot auf dem Mäen. Lesend im Garten und tobend auf dem Rasen.
Der Check der Obstgehölze zeiget: Die Johannis-, Blau- und Brombeeren tragen gut, sind aber (zum Teil lange) noch nicht reif. Die gekaufte Birne im Nutzgarten hatte es zu trocken oder ein anderes Problem und auch die Holunder haben Durst. Die selbstgezogenen Obstbäumchen hingegen scheinen mit der Trockenheit besser zurecht zu kommen. Die kleine Kirsche im Spierenbeet hat ihre allererste Frucht und die überlebenswillige Pflaume schon wieder so viele Früchte, dass wir Angst vor abbrechenden Ästen haben wie 2017. Bitte nicht. *daumendrücken
Für einen saftigen Obstkuchen reicht die einzelne Kirsche natürlich nicht. Deswegen fahren wir zu Fika lieber zu Gräddhyllans Lantcafé AB. (Wer mehr dazu wissen möchte, klickt hier) Die Orangerie ist hübsch eingerichtet, uns bei dem tollen Sommerwetter aber viel zu warm. Wir sitzen lieben unter den Bäumen, diskutieren über neue Anbaumethoden im Gemüsegarten und träumen von einer Spritztour mit den Crescent Raketsport aus den 1960er Jahren.
Auf dem Heimweg probieren wir eine neue Strecke aus und finden diesen wundersamen Stein am Wegesrand.
Es ist ein Gedenkstein für die Treffen (möte) die im Mittelalter zwischen den schwedischen und dänischen Königen (kunga) hier in diesem kleinen ehemaligen Grenzdorf Fagerdala nahe Hinneryd, Gemeinde Markaryd (Småland), direkt an der alten Reichsgrenze zum damals dänischen Halland stattfanden.
Denn Fagerdala war ein strategischer Treffpunkt für die nordische Diplomatie:
Im 13. Jahrhundert traf der schwedische König Valdemar Birgersson hier den dänischen König Erik Klipping zu Verhandlungen. Das wohl bekannteste Treffen fand im Juli 1304 in einem feierlichen Rahmen statt. Der schwedische König Birger Magnusson und der dänische König Erik Menved kamen hier mit ihren Königinnen zusammen und hielten Hof. Laut der Erikschronik (Erikskrönikan) wurden große Festlichkeiten mit Gauklern veranstaltet. Zweck dieser Treffen war es, Allianzen zu schließen oder die ständigen Streitigkeiten und Machtkämpfe zwischen den nordischen Königshäusern beizulegen.
Der Gedenkstein, erinnert an die Bedeutung des Ortes als historischer Knotenpunkt, an dem über Frieden und Zusammenarbeit beraten wurde, lange bevor die Landesgrenzen verschoben wurden.
Fast direkt gegenüber, auf der anderen Straßenseite, finden wir ein Hinweisschild.
Hier lag am Fluss Vänneån ( im Einzugsgebiet des Lagan) einst ein Wasserkraftwerk, welches durch ein Feuer 2018 zerstört und von den Eigentümern nicht wieder aufgebaut wurde.
Schließlich wurden die Bauwerkrest komplett abgerissen, um die Natur wiederherzustellen und Fischen freie Wanderwege zu ermöglichen. Die Arbeiten zur Natursanierung, dem Abriss der Dämme, der Wiederherstellung des Bachbettes und der angrenzenden Lebensräume, endeten im September 2024. Nun ist der Fluss für Forellen und andere wandernde Fischarten wieder zugänglich gemacht.
Michel ist schon seit Tagen mit dem Schlafzimmerfenster des Obergeschosses beschäftigt. Erstmals wird dabei nicht nur schadhafter Kitt ersetzt, geschliffen und lackiert, sondern mit Hilfe eines Speedheaters durch homogene und schonende Erwärmung der Bearbeitungsfläche der komplette Lack entfernt. Nach dem Einpinseln mit purem Leinöl werden die Fenster diesmal mit Leinölfarbe gestrichen. Diese soll sich (so der Plan) zukünftig besser überstreichen lassen und insgesamt viel besser haften. Das Ergebnis der vielen Arbeitsstunden sieht wirklich klasse aus. Alle drei Doppelflügel dürfen nun bis zu unserem nächsten Urlaub schön durchtrocknen und werden dann vor dem Einsetzen ein weiteres Mal gestrichen. Wir sind aber besonders auf das Langzeitergebnis gespannt und werden euch auf dem Laufenden halten. Oder habt ihr schon Erfahrung damit? Dann schreibt es gerne in die Kommentare!
Währenddessen befreie ich das Gemüse in den Hochbeeten von jeeeeder Menge Unkraut und widme mich einem kleinen Upcycling-Projekt: Aus der im Winter kaputtgefrorenen Wassertonne entsteht durch einige Löcher ein luftiger, aber für unser Hundchen nicht zugänglicher, Komposter für den Küchengarten.
Schon neigt sich eine gute Woche wieder dem Ende und es bleibt der Check vom kleinen Häuschen. Für das Rasenmähen hatten wir Uwe engagiert und der hat wirklich tolle Arbeit geleistet. Alles sieht schick aus. Drinnen allerdings trifft mich fast der Schlag. In Wohn- und Esszimmer finden sich mehrere geschäftige Ameisenstraßen und im Holzschuppen haben sie sogar schon einen kleinen Hügel angelegt. Zu dritt (DANKE @ Anne! ♥♥♥) entfernen wir die kleinen Krabbeltiere und verteilen ganz gegen unsere Gewohnheit sogar etwas Gift. Zwei Tage später ist der Spuk vorbei und die nächsten Gäste werden bereits erwartet.
Ach ja, wir müssen ja noch das Rätsel um die Landebahn aufklären. Flugverkehr wird (außer den Lästigen Mücken, Knotts und Bremsen) bei uns im Ort natürlich nicht erwartet. Bei den Waldarbeiten handelt es sich um den Ausbau der Zuwegung zum See hinter unserem Ferienhäuschen Rehtnyg. Der Wald hat vor einem Jahr den Besitzer gewechselt und Björn möchte dieses (auch von unseren Gästen genutzte) Plätzchen etwas umgestalten. Die Anwohner können ihre Boote nun mit dem Trailer bis ans Wasser fahren, was besonders für das Auswasser zum Überwintern super ist. Die ersten Meter in den See hinein sind nun von großen Steinen befreit, was auch zum Baden spitze ist und in naher Zukunft soll auch noch ein Schwimmsteg angebracht werden, so dass die Boote dann prima vertäut werden können. Die Zuwegung wird dann mit einem Schlagbaum vor Unbefugten (Campern) gesichert sein, was uns und unseren Gästen sicher zugutekommt. ;-)
Zum Schluss noch einige Gartenimpressionen, dann seid ihr hier entlassen - und eingeladen zum Weiterstöbern.
Oder ihr hinterlasst mir eure Gedanken in den Kommentaren unter dem heutigen Blogartikel. ;-)