Obstbäume erhalten, veredeln - einfaches Kopulieren

 

Schon seit langem habe ich den Wunsch einer großen Obstbaumwiese hinter dem Kattgård. Leider gibt es in Schweden nach unserem Kenntnisstand nicht die Möglichkeit einer Subvention, so wie es in Deutschland der Fall ist. Junge Obstbäume kosten aber eine Stange Geld. Und da ich ja ohnehin immer alles Mögliche ausprobieren muss, kam mir der Gedanke mich selbst an der Vermehrung (von unseren Obstbäumen im deutschen Garten) zu versuchen

 

Zu dem Thema wurde erst mal das Internet durchforstet. Schnell habe ich einiges über diverse Veredelungsmöglichkeiten gelesen. Verschiedene Arten des Pfropfens, Chip- oder Geißfuß-Veredelung, Abmoosen, seitliches Einspitzen und Necolieren...

 

Zudem unterscheidet man die Techniken nach der gewählten Jahreszeit. Im Sommer wird die sogenannte Okulation durchgeführt. Dabei wird eine ruhende Knospe der gewünschten Obstsorte unter die Rinde eines Baums eingesetzt.

Im Spätwinter, und bis in den März hinein, wird eine andere Veredlungstechnik angewendet, bei der Edelreiser auf eine sogenannte Unterlage gesetzt werden. Die Technik dafür heißt Kopulation.


 

Es ist fast unmöglich hier alle Veredelungstechniken weiter zu beschreiben. Und da ich im Kattgårdschen Garten leider keine gesunden alten Bäume habe, die es zu veredeln gilt, kam für mich nur die Kopulation in Frage.

 

Okay, was brauche ich dafür? Als Schnittwerkzeug sollte mir mein altgedientes Gärtnermesser reichen, zum Verbinden habe ich mich für ein selbsthaftendes Kunststoffband entschieden und für den Fall, dass mein Vorhaben gelingt, sollte ich in einigen Jahren noch wissen, was ich da mit wem kopuliert habe, also: beschriften.. mit Etiketten. ;-)

NOCH viel wichtiger ist natürlich das lebende Material. Edelreiser, die ich ja von den heimischen Bäumen schneiden möchte und entsprechend passende Unterlagen, die ich bei einer Baumschule bestellt habe. Bei den Unterlagen gibt es einige Punkte zu beachten: 

Für jede Obstsorte, ob Apfel, Birne, Kirsche, Pflaume.. gibt es geeignete Unterlagen. Mit anderen Worten: nicht jeder Edelreiser, wächst auf jeder Unterlage. Es gibt stark und schwach wachsende Unterlagen mit unterschiedlicher Frosthärte, unterschiedlichem Bodenanspruch und früh oder spät zu erwartendem Fruchtertrag

 

Ich habe mich für stark wachsende Unterlagen entschieden, die möglichst frosthart sein sollten:

Apfelreiser habe ich auf MM111, A2 und Bitterfelder Sämling kopuliert.

Pflaumenreiser auf St.Julien A und Brompton. Und Kirschreiser auf Alkavo.

 

Birnen würden übrigens auf Quittenunterlagen veredelt.. Aber Birnen sind bei uns nicht so gefragt. ;-)

Bei den Edelreiser gab es eine große Auswahl im eigenen Garten: Holsteiner Cox, Boskop, Finkenwerder Herbstprinz und Goldpermäne, welches eine reine Befruchtersorte ist. Außerdem hat Michel mir aus Schweden Reiser des leider abgebrochenen Klarapfels (hier zu sehen) und der gelb-roten Pflaume (die es schon 2017 arg erwischt hat) mitgebracht. Weitere unbekannte Pflaumenreiser gab es bei unseren Freunden Claudia und Timo abzuholen. DANKE an euch zwei! :-)

Kirschreiser habe ich tatsächlich am Wegesrand einer Gemeindeanpflanzung geschnitten (aber pssst!!)

Und als Special gab es noch zwei Reiser der Blutpflaume mit Stahlwerker-Abstammung. ;-)

Was nicht direkt kopuliert wurde, habe ich in einem Wasserbottich zwischengelagert.

In dem ganzen Ästegewurschtel habe ich kaum den Überblick behalten. Immer wenn etwas Zeit und RUHE war, habe ich einige Edelreiser kopuliert. Manches Mal des schlechten Wetters und der niedigen Temperaturen wegen im Gewächshaus und immer mit freundlicher Unterstützung von Nuka. :-)

 

Sowohl an Unterlage, als auch am Edelreis wurde an der möglichst gleichdicken Stelle ein schräger, ca, 2-3 cm langer Schnitt durchgeführt. Die Schnittflächen nicht anfassen, es könnten Keime aufgebracht werden, die das spätere Zusammenwachsen behindern. Je besser die beiden Schnittflächen beim Aufeinanderlegen zusammen passen, desto größer ist die Chance, dass Reis und Unterlage gut verwachsen.

(Inzwischen habe ich gelesen, dass Zugaugen an der Rückseite der Schnittfläche das Anwachsen fördern. Da ich die beiden Schnittstellen aber mit selbsthaftendem Veredelungsband umwickelt habe, verschwanden die Augen unter dem Band. Wir werden sehen, ob und wie wichtig das Zugauge gewesen wäre...) Bis alle Unterlagen verbraucht waren, habe ich die "neuen Bäumchen" wieder im Wasserbottich zwischengelagert.

Damit ich (bei Gelingen dieses Experimantes) die Bäumchen später gut transportieren kann, habe ich sie einzeln im möglichst große Anzuchttöpfe gesetzt, die ich dann in ein leere Beet einbuddellt und die komplette Fläche mit Holzhäckseln gemulcht habe. Einige Tage beschäftigte mich das Thema, dass die neuen "Bäumchen nun 3-4 Augen über der Veredelungsstelle zu kappen sind. Irgendwie fiel mir das außerordentlich schwer. Ist denn dieser Trieb nicht der spätere Mitteltrieb des Baumes und extrem wichtig für die spätere Krone??? Ich weiß es nicht!!! Bei vielen Kopulations-Beschreibungen ist von vorne herein von Edelreisern einer Länge von bis zu 4 Augen die Rede. Sie haben daher auch keine echte Triebspitze mehr. Auch hier wird die Zeit zeigen, was gut und richtig ist. Richtig ist es sicher, die neue Schnittfläche zu versiegeln. Dazu wird Baumwachs empfohlen, der in meinem Fall von Bienenwachs ersetzt wurde. (Schließlich sitze ich da an der Quelle. *lach) Es verschießt ebenso gut die Wundstelle und wirkt außerdem noch antiseptisch. Bei Bedarf kann ich die Versiegelung einfach wiederholen.

Insgesamt habe ich 29 Kopulationen durchgeführt. (Im Beet sind außerdem einige Sämlinge untergebracht.)

Erst 7 Edelreiser sind bisher ausgetrieben. Weitere 20 Obstbäumchen sind an der Unterlage ausgetrieben und immerhin angewachsen. Sollten sich kein Austrieb am Edelreis zeigen, könnte ich an diesen also im kommenden Winter einen neuen Versuch starten. Aber noch hoffe ich auf weiteren Austrieb.

 

Daumendrücken ausdrücklich erwünscht!

;-)

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